Holz war Leben, bevor es gefällt wurde, seiner Lebensadern beraubt – Äste, Blätter oder Nadeln, Wurzeln.

Leben für andere – den Menschen, dessen Umwelt, dessen Planet ohne Bäume bedroht ist. Ein Baum wächst,

lebt in Zyklen über Jahrzehnte, oft weit über 100 Jahre. Zyklen, die nicht berechenbar, nicht vorhersehbar sind –

jedes Jahr ein neues Risiko, ein neuer Kampf gegen das Sterben, um Wachstum. Wie in der Mehrzahl

menschlicher Leben.

Und, wie bei den Menschen – alleine, ungeschützt durch ein Kollektiv, überleben nur die Stärksten.

Die Mehrzahl im Kollektiv – im Wald. Zum Stamm reduziert, entwurzelt, wird der Baum, wird ein Leben aus der Natur,

zum toten Material. Geschnitten, gehobelt, geglättet, poliert oder gewachst, „dient“ er, an fremdem Ort,

anderen – im besten Fall als Bereicherung.                                                              Text / Wolfram Frommlet